HUNDESPRACHE - #3 Aus Spielverhalten wird Hundesprache

Januar 22, 2021

Noch Spiel oder bereits Ernstbezug?

Noch Spiel oder bereits Ernstbezug?

Wenn wir tiefgründiger in die Hundesprache eintauchen wollen, kommen wir nicht umhin, uns explizit mit jenen Verhaltensmustern zu beschäftigen, die unter Hunden vorkommen, wenn diese sich in Interaktionen mit Artgenossen befinden. Dazu ist es unerlässlich, selbstkritisch unsere Sicht auf die dabei stattfindenden Geschehnisse und deren Zuordnung und Beurteilung zu hinterfragen.

Spannende und neue Denkanstöße bezüglich hündischer Kommunikation lassen sich sehr gut aus alltäglichen Geschehnissen ziehen. So kann es manchmal besser sein, sich nicht gutgläubig auf wissenschaftliche Betrachtungen zu verlassen. Nicht einmal dann, wenn behauptet wird, diese würden dem neuesten Erkenntnisstand über Hundeverhalten entsprechen. Viele dieser „neuen Erkenntnisse“ werden sogar als Studien bezeichnet, nur weil sie auf Ergebnisse diverser Testsituationen aufbauen, die unter Laborbedingungen stattfanden, fernab jeglicher Alltagspraxis.

Für unser Thema „Hundesprache“ wäre es hierbei sehr interessant zu erfahren, ob sich die in solchen Studien untersuchten Hunde bereits auf einer durch individuelle Haltungsbedingungen geschaffenen Parallelebene zum eigentlichen "Hündisch" bewegen (vgl. #2 meiner Blogserie). Doch gerade diese äußerst spannende Fragestellung scheint keinerlei Berücksichtigung zu finden und bedauerlicherweise aktuell auch keinen Stellenwert in solcherart Studien zu haben.

Mir scheint, als ob sich die Fachkompetenz vieler Autoren vorwiegend auf theoretisches, angelesenes Wissen beschränkt, während hingegen bspw. meinem jahrzehntelangen, eigenen empirischen Forschen unter Praxisbedingungen, eine Relevanz bereits in den Fragestellungen abgesprochen wird.

Somit findet leider häufig ein unreflektiertes Tradieren von Denkmodellen statt, ohne dass es gelingt, deren Aussagen entsprechend kritisch zu hinterfragen - evident wird dies im Bereich hündischen Spiels.

Was steckt alles im Begriff Spielen?

Eine der Schwierigkeiten bei der Dekodierung von kommunikativen Verhaltensmustern, die Hunde zeigen, besteht darin, dass ihr Verhaltensvorrat an Gebärdensprache in allen Bereichen kommunikativer Interaktionen zur Anwendung kommen kann. Damit ändert sich auch die jeweilige Bedeutung, Aussagekraft und Funktion. Ein weiteres Problem zeigt sich, wenn die unter Hunden stattfindenden Interaktionen sehr oft oberflächlich als „Spielen“ bewertet und andere Möglichkeiten kommunikativen Geschehens gar nicht mehr in Betracht gezogen werden.
Was aber steckt alles im Begriff Spielen? Meint Spielen ein Nur-Miteinander-Spielen oder ein Sich-spielerisches-Kennenlernen, ein Sich-spielerisches-Abgleichen mit oder ohne Ernstbezug? Wird also mit Spielen tatsächlich das Spiel als solches beschrieben oder ist damit der Funktionskreis Spielverhalten gemeint, welcher vielschichtige soziale Funktionen innehat? Letzterer zeigt leider definitorische Unschärfen, die es erschweren, einem Verhalten einen verifizierbaren kommunikativen Bedeutungsinhalt zu geben.

Zurück zu den Welpen:
Aus Spiel wird Selbsterfahrungsspiel, wird bewusste Kommunikation

Zu Beginn der Entwicklung einer Ichhaftigkeit verlieren sich die Welpen im Spiel. Ihr Verhalten ist noch frei von bereits gemachten Erfahrungen, auf die zurückgegriffen werden könnte. Das, was gerade erlebt wird, schafft jedoch neue Erfahrungsräume, die mit jedem weiteren Spielgeschehen komplexere Aktionen hervorbringt und sukzessive den kommunikativen Rahmen erweitert.

Bewegten sich die Welpen in ihren Interaktionen in den ersten Wochen noch auf einer Ebene, die dem Zufall geschuldet war, so können sie bald erfassen, ob es sich um Spiel aus Jux und Tollerei handelt, oder um eine in die Zukunft weisende kommunikativ ablaufende Ideenübermittlung, die sich bereits feststehender Symbole bedient, oder ob gar bereits der Ernstbezug im Raum steht. Die Welpen empfinden sich jetzt immer mehr als Teil einer Gruppe und die stattfindenden Interaktionen laufen bewusster und zielorientierter ab.

Gegenseitige Beeinflussbarkeit schafft Vertrauen

Die Möglichkeit gegenseitiger Beeinflussbarkeit, welche Homöostase in der Gruppe zum Ziel hat, und Gruppen Organisierende Verhaltensmuster (GrOVM, vgl.: Fichtlmeier, Der Hund an der Leine, 2007/2018, Suchen und Apportieren, 2015) sind Kernpunkte, die zufriedenstellend ausreifen müssen, damit Hunde sich entsprechend innerhalb ihres Weltbildes entwickeln können.

Sie sind die Basis hündischer Kommunikation und Thema des nächsten Blogbeitrages.

 Fortsetzung folgt nächste Woche

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Liebe Grüße - Anton

Eine Definition: Spiel
Das Spiel ist eine Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung ausgeführt wird. Es ist eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen und oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird. (Quelle: Wikipedia für Spiel)

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